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đŸŸKapitel 4 - mein Zuhause

Ohje, ohje, ohje. Ich, auf dem Arm von Mamamensch, wurde durch eine TĂŒr getragen. Ein paar Stufen hoch, dann noch eine TĂŒr und noch eine. TĂŒren sind mir nicht geheuer, man weiß ja nie, was dahinter ist.

Schließlich waren wir in einem langen Flur.

Da gingen wieder ĂŒberall TĂŒren ab, die waren zum GlĂŒck offen, und in denen saßen Katzen-Dinger und haben mich angestarrt. Mamamensch hat mich auf den Boden gesetzt und freundlich auf mich eingeredet, und ich war komplett ĂŒberfordert.

Sie hat immer weiter geredet und getröstet und gestreichelt, und ich hab gespĂŒrt, dass ich Pipi muss. Also hab ich mich aufgerappelt und bin höflich ein StĂŒck zur Seite gehumpelt.

NatĂŒrlich hab ich gemerkt, dass Mamamensch den See nicht so gut fand, aber geschimpft hat sie mich nicht. Sie hat alles mit Papier weggemacht und dann hat sie mich in einen der RĂ€ume getragen und wieder abgesetzt. Auf einem Teppich! So weich und schön, auf sowas war ich noch nie gesessen. Und es kam noch besser. Es gab nicht nur den Teppich, es gab sogar ein Hundesofa! Oh Mann! Ein Sofa! FĂŒr mich! FĂŒr Luca! Ob ich mir das mal genauer ansehen durfte
?

Eher nicht, die Katzen-Dinger kamen nĂ€mlich nĂ€her. Naja, mit den Katzen-Dinger vom Shelter hatte ich nie Stress, aber die hier waren anders. Die haben mir klar zu verstehen gegeben, dass das hier IHR Zuhause ist, und ich den Ball lieber flachhalten sollte. Gar kein Problem! Echt nicht. Das Sofa wĂŒrde mir schon nicht weglaufen.

WĂ€hrend ich mir noch sehnsĂŒchtig vorgestellt hab, wie es wohl wĂ€re, da drauf zu liegen, hat Mamamensch mir Stricke um den Bauch gebunden. Ein Geschirr wie ich inzwischen weiß. An den Stricken hat sie noch einen Strick festgemacht – eine Leine - und mich da dran auf die Beine gezogen.

Da stand ich also und hab vorsichtig gelÀchelt. Mamamensch hat mich angestrahlt und mir gesagt, dass ich ein feiner Hund bin. Immer wieder hat sie Luca zu mir gesagt. Das hat mich beruhigt. Lucalucaluca. Wenn ich Luca war, dann war ich wirklich zuhause angekommen.

Oder doch nicht? Denn nun hat sie mich wieder durch die drei TĂŒren und diese Stufen runter getragen. Wollte sie mich zurĂŒck zum fremden Mann im Auto bringen? Wegen dem See? Oder weil die Katzen-Dinger mich hier womöglich nicht haben wollten?

Draußen war von dem Auto weit und breit keine Spur. Gottseidank!

Dann saß ich plötzlich im Gras. Das Gras war voller BlĂ€tter. So weich und schön wie der Teppich. Mamamensch hat mich an diesem Geschirr festgehalten, ein bisschen dran geruckelt, und ich hab verstanden, dass ich gehen soll. Komisch? Wo wollten wir hin? Ich war im Leben noch nie an einer Leine gegangen! Wozu sollte das gut sein?

Aber ich bin ein feiner Hund, der alles richtig machen möchte. Also bin ich losgehumpelt und hatte so viele, fremde GerĂŒche in der Nase, dass ich erst Recht nichts mehr verstanden hab. Schon gar nicht, dass wir hier waren, um mein HĂ€ufchen zu machen.

Nach einer Weile dann eben alles wieder zurĂŒck, die TĂŒren, die Stufen, der Gang, die Katzen-Dinger.

Ja, und dann hat sie eine Dose aufgemacht. Der Duft hat mich schier umgehauen. Sie hat das köstliche Futter in einen Napf gekippt und mir gesagt, dass es mir gehört. Alles? Wirklich? Ich hab jede Sekunde damit gerechnet, dass gleich ein paar Artgenossen um die Ecke kommen und mich vertreiben wĂŒrden. Kam aber keiner. Auch die Katzendinger schienen sich nicht fĂŒr meine Delikatessen zu interessieren. Mann, hab ich reingehauen. Hab den ganzen Napf leergemacht. Und bin dafĂŒr noch gelobt worden!?

Was dann kam, war fast noch besser als essen. Mamamensch hat mir ein SPIELZEUG geschenkt. Sowas hatte ich noch nie besessen. Es war weich, und wenn ich drauf gebissen hab, hat es gequietscht. Ich war so außer mir vor Freude, dass ich die Katzen-Dinger glatt vergessen hab. Um den Genuss perfekt zu machen, hab ich mein Spielzeug zum Hundesofa getragen, hab mich drauf gelegt und selig geknabbert und gequietscht.

Ich war so glĂŒcklich, ich hĂ€tte platzen können vor GlĂŒck. Nur wenn ich an Vesna und an meine alten Freunde im Shelter gedacht hab, die jetzt im kalten Innenhof standen, war ich auch ein bisschen traurig. Ich hĂ€tte sie gern alle mitgebracht. Das war natĂŒrlich nicht möglich, aber wer weiß, vielleicht wĂŒrden ein paar von ihnen irgendwann auch zu den AuserwĂ€hlten gehören? Zu denen, die ausreisen durften. Ich war doch der Beweis, dass es diese Wunder wirklich gibt!


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