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đŸŸKapitel 32 - das Reh

Manchmal geht Mamamensch mit mir in den Wald. Da ist es ganz besonders schön. Spannend. Es riecht anders, der Boden fĂŒhlt sich unter den Pfoten anders an. Im Wald gibt es nicht so viele Hunde, aber das macht nichts. Ich wĂ€re eh viel zu beschĂ€ftigt, um zu spielen. Ich hab ja nicht mal Zeit, LECKERLIES zu essen. Im Ernst, dazu bin ich viel zu aufgeregt.


Ja, und neulich, da ist was echt Schlimmes passiert. Ein MissverstĂ€ndnis. Ich wollte nichts Böses, aber ich hab inzwischen verstanden, dass ich trotzdem einen großen Fehler gemacht hab.

Also, das war so: Wir sind durch den Wald gelaufen, Mamamensch auf einem Pfad, ich meistens mitten durchs GebĂŒsch. NatĂŒrlich hab ich mich ganz oft gezeigt, damit Mamamensch sich keine Sorgen machen muss. Selber wollte ich mir auch keine machen, mir war es schon lieber, genau zu wissen, wo sie ist.

Ja, und dann war es plötzlich da. Ein Tier. So eins hatte ich noch nie gesehen. Es stand ganz ruhig vor mir, und mir war klar, dass es sich fĂŒrchtet. Musste es doch aber nicht. Vor mir muss sich niemand fĂŒrchten. Ich tu keiner Fliege was zuleide. BuchstĂ€blich nicht. Deshalb bin ich langsam zu dem Tier hingegangen und wollte mit ihm reden. Da ist es weggesprungen. Ich hinterher. HĂ€tte ja sein können, dass es vielleicht ja doch mit mir spielen will. Das Tier, ein Reh, wie ich jetzt weiß, ist immer schneller gelaufen. Ich auch. Irgendwo in der Ferne hab ich gehört, wie Mamamensch nach mir ruft. Gleich, gleich wollte ich zurĂŒckkommen. Aber ich war doch schon so nah am Reh! Bestimmt wĂŒrde es jeden Moment stehen bleiben und dann könnten wir uns beschnĂŒffeln und Freundschaft schließen.


Daraus ist aber nichts geworden. Rehe wollen keine Hundefreunde. Und sie können extrem schnell laufen. Schneller als Hunde und als BESONDERE Hunde sowieso. Ich musste aufgeben. Mann, war ich außer Puste. Ganz, ganz weit weg, hab ich Mamamensch wieder nach mir rufen hören. Sie klang ziemlich verzweifelt. Oh je, nun hatte ich ein schlechtes Gewissen. Ein sehr schlechtes Gewissen. Sofort bin ich zu der Stelle zurĂŒck gerannt, an der ich weggelaufen war. Die Zunge hing mir bis zur Brust, ich bin vor den FĂŒĂŸen von Mamamensch schier zusammengebrochen. Hab es grade noch geschafft, unterwĂŒrfig zu gucken und mich zu entschuldigen. Tausendmal. Hat nichts genutzt. Ich hab zwar gespĂŒrt, wie froh sie war, mich wieder zu haben, aber das hat sie nicht gesagt. Sie hat ganz doll mit mir geschimpft. Was denn gewesen wĂ€re, wenn ich mir, irgendwo im Dickicht, mein eines Vorderbei verknackst hĂ€tte? Und nicht mehr weiter gekonnt hĂ€tte? Wie hĂ€tte sie mich finden sollen? Ganz zu schweigen von dem Reh. Das hĂ€tte vor Angst sterben können! WĂŒrde ich das wollen? Nein, natĂŒrlich nicht! Ich wollte doch nur spielen. Und ich hatte mich auch nicht verletzt. Warum konnte nicht alles wieder gut sein?

Mamamensch hat mich zum Auto geschleift, an der kurzen Leine und kein Wort mehr gesagt. Auch ZUHAUSE erst mal nicht. Die KATZEN-DINGER haben natĂŒrlich sofort gemerkt, dass dicke Luft und ich der Schuldige war. Ja, ich hab mich ziemlich geschĂ€mt.

Wahrscheinlich ist es sogar gut, wenn Mamamensch mich im Wald nie wieder von der Leine lĂ€sst. Weil ich ihr Vertrauen enttĂ€uscht hab. Weil, natĂŒrlich will ich sowas nie wieder machen, aber ich bin nicht sicher, was wĂ€re, wenn ich wieder so ein Reh treffen wĂŒrde? Oder einen Hasen? Ich glaub, fĂŒr solche FĂ€lle sind Leinen gar nicht so schlecht.

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